„Den Leerstand im Kopf beheben“

Stadtteilverein MaGS zieht vorübergehend in die Lebacher 84 ein

Die Idee eines „Leerstandrundgangs“ geisterte schon länger durch die Vorstandssitzungen von MaGS – dem Stadtteilverein „Malstatt – gemeinsam  stark“ (n.e.V.). Im Nachhinein betrachtet bedurfte es nur noch einer Initialzündung, um sie zum Leben zu erwecken:

Ende Dezember konkretisierten Siggi Gress und Guido Vogel-Latz in einer Gesprächsrunde mit Lokalpolitiker/innen die Idee, Anfang Februar eine Begehung der Geschäftswelt im Oberen Malstatt durchzuführen.

Angeregt durch die innerstädtische Leerstandsmelder-Gruppe (www.leerstandsmelder.de/saarbruecken), die diese Rundgänge wiederholt im Nauwieser Viertel durchführten und motiviert durch den Tatbestand, dass zum Vergleich noch ein Leerstandskataster aus dem Jahr 2003 existierte, konnten wir die Vorbereitung in Angriff nehmen.

Als es nun an einem Samstagnachmittag Anfang Februar auf den geplanten Termin des Rundgangs  zuging, stellten wir uns schon die bange Frage: Interessiert sich überhaupt jemand im Oberen Malstatt für traurige, ungenutzte Ladenlokale?

Um fünf nach drei waren diese Befürchtungen in den Wind geschlagen, als ca. 30 Bürger/innen inklusive Zeitung und Fernsehen bereit waren, mit uns die Lebacher Straße und Umgehung zu erkunden.

Bei herrlich klarem und kaltem Spätwinterwetter wurden Hintergründe und Anekdoten zu den leerstehenden Läden erzählt und unsere mitgebrachten Straßenkarten füllten sich mit roten Punkten für das Symbol „Leerstand“. Wir sahen, dass einige Hausbesitzer leerstehende Ladenlokale bereits in Wohnungen umgewandelt haben – eine gerade in nicht so frequentierten Lagen sinnvolle Maßnahme.

Nachdem alle durchgefroren am Pariser Platz zurückkamen, konnte ein nichtgeheiztes Ladenlokal sowie heißer Kaffee den Eindruck vortäuschen, dass man sich aufwärmen kann. In der Schlussrunde wurden dann alle Erkenntnisse diskutiert. Wünsche für zukünftige Nutzungen – z.B. ein Blumenladen, ein Reisebüro, ein Bioladen aber auch ein Pflegestützpunkt – wurden in der Runde geäußert.

Spannend, hierzu auch die Meinung von Immobilienmaklern und Hausbesitzern zu hören, die dafür sorgen müssen, dass auch die Kasse stimmt.

Den Teilnehmerinnen war klar, dass alleine gute Ideen für neue Belebung nicht ausreichen, aber diese unverzichtbare Voraussetzung für neues Leben sind. Oder, wie es von einem Teilnehmer so treffend formuliert wurde: „Es geht durchaus auch darum, die Leerstände in den Köpfen zu beleben!“ – ein Zauberwort geisterte durch die Runde: „Zwischennutzung durch Kunst und Kultur“.

Dieser Anspruch war uns im Vorstand Auftrag, das Interesse nicht versiegen zu lassen: Wir stellten uns mutig die Frage, ob der Leerstand in der Lebacher 84 nicht die Gelegenheit sei, sich zeitlich begrenzt einzumieten.

Kontakte zur Hausbesitzerin, Frau Kratz, hatten wir ja. So lag es nur noch am gutem Willen und  Verhandlungsgeschick, dieses Experiment zu wagen.

Mitte Februar war es dann soweit: Dank des großzügigen Entgegenkommens von Frau Kratz, der zupackenden Art der Künstlerin Steffi Westermaier und eines mutigen Vorstands wurde bis Mitte Mai ein Zwischenutzungsvertrag für den Ladenleerstand zwischen CAP-Markt und dm-Drogerie abgeschlossen.

Was danach geschah, übertraf alle unsere Erwartungen:

Als hätten sie schon jahrelang darauf gewartet, meldeten sich aus allen Ecken und Enden Molschds Menschen, die ihren Beitrag zum Gelingen des Unterfangens  beitragen wollen. Und so sieht es heute so aus, dass wir bis Mitte Mai ein buntes Potpourri an Vernissagen, Podiumsdiskussionen, Videokollagen und Lesungen anbieten können.

Wie geht es weiter?

Die Zwischennutzung macht uns klar, welches Potential in Malstatt liegt und dass es manchmal nur eines kleinen Impulses braucht, um dieses Engagement zu aktivieren.

Mit dem Bundesförderprogramm Soziale Stadt, welches auch durch die Aktivitäten von MaGS nach Malstatt geholt wurde, stehen in Zukunft Gelder bereit, solches Bürgerengagement aktiv zu unterstützen.

Mehr über die Arbeit des Stadtteilvereins erfährt man unter

www.malstatt-gemeinsam-stark.de

Guido Vogel-Latz